Zurück zum Papier – für den logistischen Fortschritt
Was wären wir ohne sie! Ohne die Brummi-Fahrer, Kommissionierer, Disponenten, Lageristen und Boten – kurz: die Logistik. Gerade jetzt in der päckchenintensiven Vorweihnachtszeit zeigt sich wieder, wie sehr wir uns auf ihre Dienstleistung verlassen. In Zeiten, in denen fast jeder Zweite seine Geschenke online kauft, sogar alle Jahre mehr. Ohne moderne IT und ein intelligentes Materialflusssystem fänden Geschenk und Beschenkte(r) niemals pünktlich zueinander, soviel steht fest. Wirklich? Horst Schuon, Inhaber und Geschäftsführer der Gebrüder Schuon Logistik GmbH setzt auf Cloud Services, Kaban und intelligente Kommissionierung – auf Papierbasis. So ist er nicht nur schneller und effizienter, sondern arbeitet auch zu einem Viertel der sonst üblichen Kosten. Wir haben mit Herrn Schuon über seinen ungewöhnlichen Ansatz und die Entwicklungen in der Logistikbranche gesprochen:
Herr Schuon: Es ist sicherlich keine Übertreibung, Sie als Pionier in Sachen Cloud Computing zu bezeichnen. Sie gehören in Deutschland zu den ersten Unternehmen, die auf Cloud Services auf Basis von Microsoft Windows Azure setzen. Warum Cloud Services?
Die Logistik ist ein sehr saisonales und schwankendes Geschäft, man hat hier mal mehr, mal weniger Software-Bedarf. Mit der Cloud kann ich solche Schwankungen besser abfangen. Ich bin damit deutlich flexibler.
Gibt es noch andere Vorteile?
Ja, auch in Bezug auf die Kosten. Sonst muss ich ja immer die Hardware und Software anschaffen, und in der Cloud brauche ich das nicht. Da sage ich einfach, ich brauche mehr Power und dann wird das Schräubchen hochgedreht, das heißt mehr Leistung steht relativ kurzfristig zur Verfügung. Und ich bezahle nur das, was ich in Anspruch nehme. Ich habe also ein transaktionsbasiertes Kostenmodell.
Ihr Unternehmen beschreitet auch sonst neue Wege. Das Barcode-Lesegerät ist das klassische Arbeitsgerät vieler Logistikdienstleister. Sie hingegen nutzen für das Kommissionieren papierbasierte Kommissionierlisten, die Sie mit einem klassischen Dokumentenscanner wieder in den digitalen Prozess zurückführen. Wie sieht bei Ihnen der Kommissionierprozess aus?
In dem Moment, wenn in unserem Logistiksystem ein Auftrag angestoßen wird, generiert die Software automatisch eine Kommissionierliste (a.d.R.: enthalten Informationen zu Anzahl, Lagerort, etc. der zu verpackenden Materialien). Darauf kleben verschiedene Barcodes, die alle Informationen enthalten, um den Auftrag auszuführen. Im Lager holt der Kommissionierer die Ware aus dem Regal und löst mit Hilfe der Barcodes die einzelnen Aktionen des Workflows aus. Dazu muss er nur den Barcode markieren oder abziehen und auf das Packstück kleben. Zum Schluss unterschreibt der Mitarbeiter die Kommissionierliste und scannt sie ein. Dann erzeugt unsere Logistiksoftware einen Paketschein und der Kunde erhält automatisch eine Mail mit der Versandnummer. Und wenn der ganze Auftrag abgewickelt ist, kommt der Vorgang ins Archiv.
Die eingescannten Informationen gelangen in das Materialwirtschaftssystem in der Cloud? Das ist sozusagen Scan-to-Cloud?
Ja so ist das.
Warum dieser Umweg über das Papier?
Wir arbeiten beim Kommissionieren mit Picklisten (a.d.R. auch Kommissionierlisten genannt, enthalten Informationen zu Anzahl, Lagerort, etc. der zu verpackenden Materialien). Wenn ich jetzt steigende Auftragsvolumen habe, kann ich mit den Picklisten viel schneller einen neuen Mitarbeiter einarbeiten. Wir setzen den fi-6130 Dokumentenscanner von Fujitsu ein, der lässt sich sehr einfach bedienen. Man muss nur das Dokument einlegen, den Knopf drücken und den Bestimmungsort auswählen.
Und wir müssen kein teures Equipment vorhalten, zum Beispiel zehn Barcode-Scanner in der Schublade. Die müssen ja auch konfiguriert werden. Und ich brauche eine WLAN-Infrastruktur im Lager.
Also das ist für Sie auch günstiger? Wie viel sparen Sie hier ein?
Ich habe beim Kommissionieren noch nie mit Barcode-Lesegeräten gearbeitet, deshalb kann ich das nur schätzen. Aber ich gehe davon aus, dass im Vergleich zum Einsatz von Barcode-Scannern die Lösung mit Dokumentenscannern nur 25 Prozent der Kosten verursacht.
Auf diese Weise kommissionieren Sie täglich bis zu 4.000 Pakete. Das stellt ja gewisse Anforderungen an so einen Scanner?
Ja, zum einen muss er das hohe Scan-Volumen schaffen. Zum anderen muss auch die Lesegenauigkeit hochwertig sein, denn alles was wir einscannen, ist ja Barcode. Und je genauer er liest, desto besser können die Daten verarbeitet werden. Der Dokumentenscanner von Fujitsu hat sich bei uns bewährt. Wenn man da sieht, dass so eine kleine Maschine die 3.000 Seiten, manchmal sogar 4.000 locker am Tag macht, das ist schon bewundernswert.
Cloud Computing ermöglicht Ihnen ja auch eine reibungslose unternehmensübergreifende Zusammenarbeit, etwa mit Speditionen. Und auch hier setzen Sie auf eine bewährte Methode mit innovativer Cloud-Umsetzung: die Kanban-Technologie. Was ist das?
Kanban ist ein in Japan entwickeltes System. Damit können Unternehmen Produktions- und Logistikprozesse flexibel und dezentral steuern, so dass zum Beispiel für ausgelieferte Waren im Lager automatisch Nachschub bereitgestellt wird. Bei der Auslieferung von Kühlschränken arbeiten wir mit der Spedition Stickel aus Nagold zusammen. Auch sie bezieht die Logistiksoftware von LogistikBroker als Cloud Service. Und um die einzelnen Schritte in der Transportkette abzubilden, setzen wir Kanban-Karten ein.
Und wie sieht das konkret aus?
Wir nutzen auch für die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit unsere Kommissionierlisten, und auch die Firma Stickel arbeitet mit den Dokumentenscannern von Fujitsu. Wir versehen alle Kühlschränke, die unser Lager in Richtung Spedition Stickel verlassen, mit einer Kanban-Karte. Dort muss der Mitarbeiter lediglich die untere Hälfte der Karte abreisen, sie mit seiner Unterschrift versehen und einscannen – und schon ist die Transportkette unternehmensübergreifend abgebildet.
Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Herr Schuon. Wir wünschen Ihnen Frohe Weihnachten mit jeder Menge Päckchen unter dem Baum!




